Wie kommt der Schuhmarkt zurück ins Wachstum?

Der Schuhmarkt in Deutschland schrumpft weiter: 2025 sank das Marktvolumen zum zweiten Mal in Folge auf 9,354 Milliarden Euro – ein Minus von 2,0 Prozent. Auch für 2026 wird ein Rückgang erwartet: um 0,6 Prozent auf 9,301 Milliarden Euro. Die Konsumzurückhaltung trifft die Branche besonders stark. Denn bei steigenden Lebenshaltungskosten werden Ausgaben für Bekleidung und Schuhe häufiger zurückgestellt. Für Peter Frank, Executive Consultant der BBE Handelsberatung, ist das mehr als eine kurzfristige Kaufzurückhaltung. Er beobachtet eine zunehmende „Wardrobe Rationalization”: Viele Menschen brauchen und wollen weniger Kleidung und Schuhe. Gleichzeitig lebt Mode von dem Wunsch nach Neuem, von Inspiration und spontanen Kaufentscheidungen. „All das fehlt in dieser Zeit”, so Frank.

Vom Bedarfsartikel zum begehrten Produkt
Eine zentrale Herausforderung für die Branche: Schuhe werden überwiegend aus konkretem Bedarf gekauft. Laut der im Artikel zitierten Verbraucherumfrage werden 80 Prozent der Schuhe nach Bedarf gekauft – für ein Fashionprodukt ein hoher Wert. Wer den Markt wieder in Bewegung bringen will, muss daher Begehrlichkeiten wecken und neue Kaufanlässe schaffen.
Frank sieht dafür Potenzial in einer engeren Verbindung von Schuh und Mode. Schuhe sollten stärker als Teil eines Looks gedacht und präsentiert werden. Wenn Mode- und Schuhbranche ihre Kaufsignale gemeinsam aussenden, wird der Style für Kundinnen und Kunden leichter verständlich – und kann die Lust auf ein neues Produkt steigern.
Das setzt nicht voraus, dass Schuhhändler zu Modehändlern werden oder umgekehrt. Entscheidend ist aus Franks Sicht die Zusammenarbeit der jeweiligen Expertinnen und Experten. Strategische Allianzen können Kompetenzen bündeln und einen Mehrwert schaffen, der über die Summe der einzelnen Angebote hinausgeht: „aus eins plus eins drei statt zwei”.

Smart Casual schafft neue Kombinationen
Auch der Smart-Casual-Trend kann neue Impulse setzen. Reine Casual- und Sportstyles haben laut Branchenbericht ihren Höhepunkt erreicht. Sportliche Schuhe und Bekleidung bleiben zwar wichtige Warengruppen, doch gefragt sind zunehmend hybride Outfits: bequem, vielseitig und zugleich persönlicher und eleganter.
Daraus ergeben sich neue Kombinationsmöglichkeiten. Bequeme Bekleidung trifft auf stärker ausgeschmückte Produkte; der Sneaker wird häufiger durch einen Loafer ersetzt – ohne dass der Komfortanspruch verloren geht. Für Frank kann der Trend nicht nur neue Kaufanreize schaffen, sondern auch Innovationen hervorbringen. Ein Beispiel sind Sneakerinas, die unter anderem in Kollektionen von Louis Vuitton und Adidas geführt werden.

Wachstum braucht gemeinsame Impulse
Die Ausgangslage bleibt anspruchsvoll. Politische und wirtschaftliche Unsicherheit sowie steigende Lebenshaltungskosten belasten die Konsumstimmung. Der Anteil der Ausgaben für Fashion an den privaten Konsumausgaben sank von 5,5 Prozent im Jahr 2000 auf 3,9 Prozent im Jahr 2025. Bis 2030 wird ein weiterer Rückgang auf 3,7 Prozent erwartet.
Dennoch ist die Perspektive nicht ausschließlich negativ: Mit passenden Antworten auf veränderte Bedürfnisse könnte der Schuhmarkt ab 2027 wieder ein leichtes Plus erreichen. Umsatzsprünge sind allerdings nicht zu erwarten. Der Vor-Corona-Umsatz von 9,9 Milliarden Euro rückt damit in weite Ferne.
Für Peter Frank liegt eine wichtige Aufgabe darin, die Stärken von Mode- und Schuhbranche zusammenzubringen: Bedarfe bedienen – und zugleich Lust auf Neues wecken. Kooperationen, überzeugende Looks und Produkte, die Komfort mit Persönlichkeit verbinden, können dazu beitragen, den Schuh wieder stärker als Fashionprodukt zu positionieren.

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