News

Nahversorgung: Mixed-Use funktioniert vor allem unter urbanen Bedingungen

Doch sogenannte Mixed-Use-Konzepte sind nicht überall gleichermaßen erfolgreich. Beim 13. NRW-Nahversorgungstag in Schwerte erklärte Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung, warum solche Projekte vor allem in Großstädten funktionieren – und welche Alternativen es für kleinere Städte gibt.

Mixed-Use-Projekte gelten in der Stadtentwicklung als vielversprechender Ansatz: Verschiedene Nutzungen wie Wohnen, Einzelhandel oder Dienstleistungen werden in einem Gebäude oder Quartier kombiniert. Das kann sowohl städtebauliche als auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Doch nach Einschätzung von Jörg Lehnerdt, Regionalleiter West der BBE Handelsberatung, funktioniert dieses Modell nicht überall. 

Beim 13. NRW-Nahversorgungstag in Schwerte stellte der Handelsexperte die Chancen und Grenzen solcher Konzepte vor. Städtebaulich ermögliche Mixed-Use eine effizientere Nutzung von Flächen, etwa durch Doppel- oder Mehrfachnutzung. Gleichzeitig könnten Quartiere auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten belebt werden. Kurze Wege zwischen Wohnen, Einkaufen und Dienstleistungen helfen zudem, Verkehr zu vermeiden.

Auch wirtschaftlich kann die Mischung verschiedener Nutzungen Vorteile bringen. „Mixed-Use-Projekte verteilen Risiken auf mehrere Nutzungen und erzeugen Synergieeffekte durch zusätzliche Laufkundschaft“, so Lehnerdt.

In der Praxis zeige sich jedoch, dass solche Projekte vor allem in großen Städten erfolgreich sind. „Mixed-Use-Nahversorgung setzt urbane Bedingungen voraus: Dichte, Infrastruktur, Kaufkraft und Vielfalt“, betonte der Handelsexperte. Eine hohe Bevölkerungsdichte, ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr, unterschiedliche Zielgruppen und professionelle Betreiberstrukturen seien entscheidende Voraussetzungen.

In kleineren Städten und ländlichen Regionen fehlen diese Rahmenbedingungen häufig. Die Kundendichte ist geringer, Mietniveaus lassen sich schwieriger refinanzieren und die Nachfrage nach unterschiedlichen Nutzungen reicht oft nicht aus, um komplexe Projekte wirtschaftlich zu tragen.

Für solche Standorte empfiehlt Lehnerdt deshalb andere Strategien. Entscheidend sei ein klarer Fokus auf tragfähige Standorte und zukunftsfähige Handelsformate. Wohnen könne dabei zwar eine Rolle spielen, müsse aber nicht zwingend im gleichen Gebäude stattfinden.

„Nahversorgung außerhalb dichter Großstadtstrukturen braucht hohe Standortqualität und konfliktarme Ergänzungsnutzungen“, sagte Lehnerdt. Auch neue Konzepte können eine Alternative sein, etwa rund um die Uhr geöffnete Selbstbedienungsläden im ländlichen Raum oder Kombinationen mit handelstypischen Dienstleistungen.

Sein Fazit: Mixed-Use kann ein starkes Instrument für lebendige Stadtquartiere sein – doch ohne die entsprechenden urbanen Voraussetzungen stoßen solche Modelle schnell an ihre Grenzen. Kleinere Städte brauchen daher vor allem pragmatische und standortangepasste Lösungen für eine stabile Nahversorgung.
 

Ihr Ansprechpartner

Ihr persönlicher Ansprechpartner steht Ihnen für Rückfragen und die individuelle Einordnung jederzeit zur Verfügung.