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Innenstadt und Nebenzentrum: Wie Handel und Fachmärkte gemeinsam wachsen können

Doch müssen sich beide Konzepte zwangsläufig Konkurrenz machen? Nach Einschätzung der BBE Handelsberatung kann ein abgestimmtes Zusammenspiel sogar neue Chancen für Städte und Gemeinden eröffnen.

Können Innenstadthandel und zeitgemäße Fachmarktagglomeration als „Nebenzentren“ gemeinsam wachsen? Die Antwort lautet: Ja – allerdings nur unter klar definierten Bedingungen. Entscheidend ist eine konsequente funktionale Arbeitsteilung zwischen Innenstadt und Nebenzentrum.

Während sich Innenstädte künftig stärker auf kleinteiligen, frequenzorientierten Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie und Kultur konzentrieren, übernehmen Fachmarktstandorte jene Angebotskonzepte, die andere Flächenzuschnitte, Lieferverkehre und Stellplatzlösungen benötigen.

„Innenstadt und unmittelbar benachbarte Nebenzentren müssen keine Gegensätze sein – sie können sich gegenseitig stärken, wenn beide Standorte klar definierte Rollen übernehmen“, so Dr. Ulrich Kollatz, Regionalleiter Ost der BBE Handelsberatung.

„Die Innenstadt bleibt das lebendige und erlebnisorientierte Zentrum, während Fachmarktstandorte jene Nutzungen aufnehmen, die innerstädtisch kaum noch abbildbar sind.“

Gerade für Klein- und Mittelstädte kann diese Arbeitsteilung ein wichtiger Standortvorteil sein. Gut angebundene, innenstadtnahe Fachmarktcluster schaffen zusätzliche Kaufkraftbindung und können neue Kundenströme erzeugen.

Aus Sicht der BBE ist deshalb eine gebündelte, planvoll entwickelte Agglomeration in innenstadtnaher Lage deutlich sinnvoller als mehrere verstreute Einzelstandorte an der Peripherie.

Voraussetzung dafür sind kurze Wege, eine leistungsfähige ÖPNV-Anbindung sowie attraktive Fuß- und Radverbindungen zwischen Innenstadt und Fachmarktstandort.

Auch gemeinsames Marketing bis zu einem gemeinsamen Citymanagement können die Wechselwirkungen stärken.„Wenn Kunden beide Standorte unkompliziert miteinander verbinden können, entstehen echte Frequenzbrücken“, so Kollatz. „Dann profitiert nicht nur der Fachmarktstandort, sondern auch die Innenstadt.“

Gleichzeitig birgt das Modell allerdings auch Risiken, wenn die Entwicklung nicht konsequent gesteuert wird. Eine der größten Gefahren besteht in der Verdrängung innenstadtrelevanter Sortimente.

Wandern Mode-, Schuh-, Elektronik- oder Drogerieanbieter in großem Umfang zum „Nebenzentrum“ ab, drohen Leerstände und ein schleichender Qualitätsverlust der Innenstadt, welche doch eigentlich gestärkt werden sollte.

Kollatz: „Die Innenstadt braucht weiterhin ihre prägenden Ankermieter und frequenzstarken Nutzungen. Deshalb müssen Sortimentsprofile klar festgesetzt und zentrenrelevante Angebote in Fachmarktbereichen strikt begrenzt werden.“

Den Kommunen kommt dabei eine zentrale Steuerungsrolle zu. Ein tragfähiges Einzelhandelskonzept und eine rechtssichere Bauleitplanung gelten als entscheidende Voraussetzungen, um gewünschte Synergien tatsächlich zu erreichen.

Dazu gehören klare Festsetzungen zu Flächen, Sortimenten und Nutzungstypen ebenso wie eine konsequente Kontrolle möglicher Erweiterungen. Denn häufig zeigt sich erst im laufenden Betrieb die Gefahr einer sogenannten „Creeping Expansion“: Anbieter versuchen schrittweise zusätzliche Flächen oder weitere Sortimente zu integrieren.

Ohne klare planungsrechtliche Grenzen kann dies das ursprüngliche Gleichgewicht zwischen Innenstadt und Nebenzentrum gefährden.
Für Kollatz ist das Fazit eindeutig: Das Zusammenspiel von Innenstadt und Nebenzentrum ist realistisch – aber kein Selbstläufer.

„Ob das Modell funktioniert, entscheidet sich nicht am Konzeptpapier, sondern an der konsequenten Umsetzung“, sagt Kollatz. „Wer Innenstadt und Nebenzentrum als strategische Partner entwickeln will, braucht politischen Willen, klare Regeln und eine langfristige Steuerungsperspektive.“
 

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